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Reisebericht der Delegationsreise nach Namibia - Teil 1
Netzwerk für die Jugend
Teil 1: 18.-23.7.2008
Windhoek
Mit allen Sinnen offen eingestellt auf das Erleben von neuen Reizen und Eindrücken erreichten wir unser erstes Reiseziel in Windhoek/Namibia nach 45stündiger Reise über Dubai und Johannesburg. Nach diesem anfänglichen Flughafentourismus wollten wir uns jedoch von dort an auf eine andere Art des Reisens begeben. Eine Art, die uns ermöglicht tief in die Zusammenhänge des Landes und seiner Bewohner und Besucher einzutauchen, mit dem Ziel des Begreifens und Verstehen für die Namibier. Unsere Projektarbeit der Deutsch-Namibischen Jugendaktion zur Versöhnung sollte uns dabei unterstützen. Nach einem herzlichen Empfang unserer Projektpartner am Flughafen wurden wir alle gemeinsam in ein Auto geladen und auf die Sitze und den Kofferraum verteilt. Die Straße in die Stadt hinein schien nicht endend wollend in einer fast kurvenlosen Anlegung ihren Weg durch die flache, staubig trockene Landschaft zu bahnen.
Windhoek präsentierte sich uns einladend mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, trotz winterlicher Jahreszeit auf der Südhalbkugel. Beim ersten Eindruck noch unüberschaubar, gewannen wir alle schon bald einen Überblick und anfängliches Gespür für die Hauptstadt Namibias. Namibia als das zweit dünnst besiedelte Land der Welt weist auch in seiner Metropole sehr überschaubare Menschenmengen und infrastrukturelle Stadtplanung auf.
Schnell fiel uns die sehr saubere Innenstadt auf. Wir stellten erstaunt fest, dass es hier prozentual mehr Mülleimer als am Frankfurter Flughafen gab. Deutsche Benennungen von Straßen und Geschäften war keine Besonderheit im Stadtbild. Nichtsdestotrotz war ein internationales Völkergemisch in den zahlreichen Cafes und auf der Straße anzutreffen. Doch die allgegenwärtigen Sicherheitsmaßnahmen anhand von Elektrozäunen, welche die meisten Häuser umgaben und die überdurchschnittlich hohe Präsenz von Sicherheitsbeamten allerorts verrieten schnell, dass der erste Eindruck einer friedlichen, fast kleinstädtischen Atmosphäre trog. Gleich am ersten Tag wurden wir Zeugen von einem Autoeinbruch und zwei Taschendiebstählen. Wir passten uns also sämtlichen uns gegebenen Sicherheitsmaßnahmen an und bis heute geschah uns nichts.
Windhoek als unsere erste Station unserer einmonatigen Projektreise barg viele interessante Kontakte und Treffen in sich. Tägliche Termine führten uns zu verschiedensten Organisationen und Personen. Zu Beginn trafen wir unsere namibischen Co-Projektinitiatoren, Herrn Rudolf Hongoze, Herrn Ueriuka Festus Tjikuua und Herrn Rudolf Dausab, Vertreter verschiedener Herero-Königshäuser und der Topnaar-Nama Gemeinschaft zu einer lebendigen, ausgiebigen und interessanten Diskussion über das Programm der folgenden Wochen. Auch das offene Konzept des Projekts wurde detailliert besprochen und mit gemeinsamen Ideen überarbeitet.
Weitere organisierte Treffen führten uns unter anderem mit der derzeitigen deutschen Übergangsbotschafterin Frau Ute König zusammen. Bei diesem Besuch durften wir Schüler erstmals diplomatische Luft schnuppern. Amüsiert stellten wir beim Betreten der Räumlichkeiten fest, dass diese Luft ebenso roch, wie in den Fluren und Gebäuden innerhalb von Behörden in Deutschland.
Doch zwischen unser eng gepacktes formelles Diskussions- und Begegnungsprogramm wollten wir auch erste informelle Begegnungen mit namibischen Jugendlichen, unseren wichtigsten Projektpartnern machen. So gingen wir sonntagfrüh zusammen mit Herrn Hongoze zu einem englisch-afrikaanssprachigen Gottesdienst in die St. Augustine Church in den Township Katutura-Soweto in Windhoek. Klatschend, zum Gospelchor wippend und in ständiger Bewegung nahmen wir begeistert an dieser neuen Erfahrung teil. Im Anschluss lernten wir den Senior Youth Club der Kirche kennen und konnten erste Ideen und Informationen über Jugendarbeit austauschen. Wir lernten bereits während dieses ersten Treffens viel Neues, so zum Beispiel, dass Versöhnung ein allgegenwärtiges Thema im Alltag der Jugendlichen ist, auch wenn es nicht täglich ausgesprochen wird.
Weitere spannende Gespräche und Diskussionen über Dinge, die uns Jugendliche unserer beiden Länder interessieren, bewegen, unterscheiden und gemeinsam sind, führten wir mit 20 namibischen Jugendlichen bei Kaffee und Kuchen. Kaum jemand kam zum Essen, da der Raum mehrere Stunden mit intensiven Gesprächen gefüllt war.
Um unsere Kontakte zur Jugend in ganz Namibia ausweiten zu können, trafen wir uns mit dem National Youth Council (NYC), welches eine Dachorganisation und Plattform für über 50 Jugendprojekte in Namibia darstellt. Herr Mandela, der Generalsekretär empfing uns und bot uns umgehend nach unseren Ausführungen alle mögliche Unterstützung an. Besonderes Schmankerl stellte der spontane Besuch von Jacky Britz dar. Er ist der amtierende Schulleiter unserer Partnerschule M & K Gertze Highschool in Rehoboth. Seine lebensfrohe und legere Art blieb uns bis heute im Gedächtnis und formte auch diesmal einen wunderschönen Abend mit gutem Essen und viel Gelächter.
Während unseres gesamten einwöchigen Aufenthalts in Windhoek, bot uns das Gästehaus der Evangelisch Lutherschen Kirche der Republik Namibia (ELCRN) komfortable Unterkunft mit charmanter und herzlicher Umsorgung. In dieser angenehmen Atmosphäre konnten wir zahlreiche Kontakte knüpfen, welche nun weiterer Pflege bedürfen. Bischof Kameeta begrüßte uns als erstes Jugendversöhnungsprojekt seiner Initiative aus den Jahren 2003 und 2004. Er gab uns enthusiastische Wünsche mit auf den Weg. Damit konnten wir uns eine gute Arbeitsbasis und ein hervorragendes Schaffungsumfeld für unser Projekt aufbauen.
Zusammenfassend sehen wir bereits unsere erste Woche als sehr gelungen und erfolgreich für den Prozess unseres Projektes an. Nun freuen uns in die ländlicheren Regionen Namibias aufzubrechen. Unser nächstes Reiseziel wird Okakarara sein, eine kleine Stadt, welche am Fuße des Waterbergs liegt. Diese historische Landschaft stellte ab 1904 den grausamen Schauplatz des Genozids an den Herero durch die deutsche Schutztruppe dar. Zu diesem Abschnitt unserer Reise folgt Weiteres nächste Woche.
Reisebericht von Imke Jahner
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