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Reisebericht der Delegationsreise nach Namibia - Teil 3


Von Ruethnick - Erstellt am21. August 2008 - 10:05Druckversion

Netzwerk für die Jugend

Teil 3: 24.7.- 12.8.2008

Omaruru – Besuch in der westlichen Herero-Region

Namib – Aonin Camp der Topnaars Jugendworkshop mit den Namas in der Wüste

Nach den Tagen im Nationalpark Waterberg fiel unser VW-Bus kurz vor der Weiterfahrt ganztägig aus. Er musste 200 Kilometer nach Otjivarongo abgeschleppt werden. In der Nacht erreichten wir dann mit einem Shuttle unseren Zielort Omaruru im Westen des Kerngebietes der Herero. Hier übernachteten wir im Omaruru Guesthouse, welches mit gemütlichen Betten eine willkommene Abwechslung zum Zeltleben bot. Am nächsten Tag wurden wir im Haus des Vorsitzenden der lokalen Chamber of Commerce, McFadden, empfangen, eines international erfahrenen Fotographen und Historikers außerordentlicher Vielseitigkeit, einem Kenner der jüngeren Herero-Geschichte, der sich in Omaruru zur Ruh gesetzt hat und nun historische Forschungen über die Geschichte der Hereros betreibt. Herr McFadden hatte eine Überraschung für uns vorbereitet. Bei einer langsamen, interessanten Fahrt auf den traditionellen Eselskarren lernten wir die Stadt mit ihren Bewohnern und ihrer Geschichte kennen. Begleitet wurden wir von dem traditionellen Führer der Hereros in dieser Region, Herrn Christiaan Eerike Zeraeua, einem Nachfolger des legendären Chief Zeraeua, der 1904 an dem Krieg mit Deutschland beteiligt war und auf dem örtlichen Friedhof begraben liegt. Am Frankentower, einem kolonialen Denkmal und Wahrzeichen Omarurus, wurden wir über die dort stattgefundenen Kampfhandlungen zwischen Deutschen und Hereros aufgeklärt. Nachmittags besuchten wir als potentielle Partnerschule die „S.I. !Gobs Highschool“ (! = Zungenklicklaut der Nama), wo wir ein Gespräch mit dem Internationalen Koordinator und einem an der Versöhnungsthematik interessierten Geschichtslehrer der Schule über eine mögliche Kooperation hatten. Danach wurde uns die Schule gezeigt und Kontakte mit einer Schulklasse geknüpft. Die Schüler/innen kommen teilweise von weit her, aus bis zu 500 km Entfernung und wohnen dann im Internat der Schule. Als Option auf eine Briefpartnerschule für die jüngeren Schüler der Marie Curie Schule bot sich die Omaruru Primary School an, die sich in einem Event im örtlichen Lehrerbildungszentrum mit zahlreichen, erstaunlich klugen Fragen präsentierten.

Doch neben den erfreulichen Erlebnissen in dieser prosperierenden Stadt mit ungewöhnlich reichhaltigem Kultur- und Wirtschaftsleben in herrlicher landschaftlicher Umgebung mussten wir in Omaruru auch immer wieder feststellen wie sehr die Armut das Leben einer Vielzahl von Menschen prägt. Nicht weit vom schmucken Zentrum leben Tausende in den Wellblechbaracken der Townships. Die soziale Not spiegelt sich auch in den Schulen und sozialen Einrichtungen der Stadt, die oft nicht hinreichend ausgestattet sind.

Nach dem kurzen Aufenthalt in Omaruru richteten wir unseren Blick noch weiter gen Westen, zu unserer nächsten Etappe: Walvis Bay in der Küstenwüste Namib am Atlantik, der zweitgrößten Stadt Namibias. Dort an der Küste trafen wir mit Jugendlichen der Nama-Community zusammen. Unser Workshop mit jugendlichen Nama fand aber vierzig km außerhalb der Stadt statt. Fast eine Woche lebten wir im schlichten und abgelegenen !Aonincamp, welches von unserem Projektpartner Rudolf Dausab geleitet wird. Trotz der Einfachheit dieses Camps war es die Unterkunft mit der schönsten Umgebung. So türmten sich keine 100 Meter neben dem Camp riesige rot-goldene Sanddünen auf, die wir auf Empfehlung der einheimischen Jugend mit alten Brettern und Pappwerbeplakaten runterrodelten. Doch überzeugt diese Gegend des Landes nicht nur mit beeindruckenden Landschaften, sondern auch die Menschen sind hier bemerkenswert. Während unseres Versöhungsworkshops im Wüstencamp lernten wir tolle Jugendliche kennen, die mit uns in den nächsten vier Jahren zusammenarbeiten wollen. Sie waren extra zu diesem Treffen aus dem Süden Namibias einen ganzen Tag durch die Wüste angereist. Viele Workshopteilnehmer stellten sich als wirklich gute Projektpartner heraus. Ivan, ein junger Lehrer aus der Region Maltahöhe/ Hardap, selbst Koordinator des National Youth Council of Namibia (NYC) für die Region Hardap, wirkte sehr interessiert am Projekt und bot sich sofort als Kontaktmann an, trotz der Strapazen, die durch eine fehlende Internetverbindung für ihn auftreten werden. Als andere Projektpartner, neben Rudolf Dausab, den Chairman der Topnaar Foundation, der schon seit Beginn in das Projekt integriert ist, haben sich z.B. Gladwyn Fischer und Mervyn Xaweb hervorgehoben. Beide sind Musiker, die mit R’n B, Chorgesang und Reggae schon viel von der Welt gesehen haben und sich begeistert am Workshop beteiligten und ihn mit vielen neuen Ideen bereicherten.

Bei so vielen interessanten Leuten ist es schade, dass durch Fehlen einfacher Voraussetzungen, wie z.B. Internet oder Telefonverbindungen, das volle Potential dieser Zusammenarbeit noch nicht ausgeschöpft werden kann. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

Nach dieser interessanten, aber zugleich auch arbeitsreichen Zeit im !Aonincamp verbrachten wir noch eine kurze Zeit im Küstenort Swakopmund, bevor unsere Reise zurück in die Hauptstadt nach Windhoek ging. Swakopmund ist eine sehr deutschgeprägte Stadt. So sind z.B. alle wichtigen Informationsschilder sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch verfasst und bei einen Gang durch die Stadt kommt man auf der Kaiser Willhelm Straße an der deutschen Buchhandlung vorbei. In dieser vielseitigen Stadt eröffnete sich uns die Möglichkeit zusammen mit Mervyn das Nachtleben Swakopmunds zu erkunden. Er zeigte uns die Clubs, die von der lokalen Jugend besucht werden und nicht wie der Rest der Stadt vom Tourismus geprägt sind. Um unsere Reise zu evaluieren und weitere Entwicklungsprozesse zu diskutieren reisten wir nach Windhoek zurück. Unseren Meeting wohnten Rudolph Hongoze und Ueriuka Festus Tjikuua als Vertreter der Hereros und Ivan Pieters als Vertreter der Namas bei. Wir erstellten ein Konzept für die folgenden Projektjahre, einschließlich dem Gegenbesuch der Namibier in Deutschland und Europa 2010. Mit Hilfe eines Rollenspiels wollen wir mit namibischen und Jugendlichen aus mehreren europäischen Ländern eine Diskussionsrunde der Europäischen Union mit dem Kernthema Entwicklungszusammenarbeit Europa-Namibia nachspielen. Dabei müssen die Jugendlichen sich differenziert mit den ihnen zugeteilten Ländern auseinandersetzen und deren Position in der Debatte professionell vertreten. Die wichtigsten Organe der EU in Straßburg und Brüssel sollen auch Ziel unserer Reise werden. So wollen wir allen Jugendlichen die Funktion und Struktur der EU verdeutlichen und Deutschland als Teil der EU präsentieren. Mit gutem Gefühl und vielen neuen Aufgaben reisen wir zurück nach Deutschland.

Reisebericht von Tino Tallowitz-Mitzinger