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Jugendtheater für Menschenrechte in Europa und Afrika
Gemeinschaftsprojekt startet mit Workshop zu Menschenrechten in Belarus (Weißrussland)
PROTERRA entwickelt in Kooperation mit Amnesty International Hannover und der Marie Curie Schule KGS Ronnenberg zwei Theaterstücke, in denen anhand von Länderbeispielen Menschenrechtsverletzungen im Norden und im Süden der Welt dargestellt werden. Als Auftakt des einjährigen Projekts führt ein Workshop “Jugendtheater für Menschenrechte in Europa / Belarus” am 27. August 2009 Schülerinnen und Schüler der Marie Curie Schule in die Projektarbeit ein.
Menschenrechtsexperten von Amnesty International berichten über die bürgerliche und politische Menschenrechtslage in Belarus. Während des Workshops wird die Menschenrechtlerin Karin Baumert (Stadtsoziologin, Theaterpädagogin) auch theaterpädagogische Methoden nach Augusto Boal, der das Theater der Unterdrückten erfunden hat, ausprobieren. Der Komponist Peter Marino (Chorleiter, Theaterpädagoge) diskutiert mit den Jugendlichen die musikalische Umsetzung von Menschenrechtsverletzungen und wird Musikbeispiele geben.
Workshop-Programm im Anhang >>>
Das Projekt “Jugendtheater für Menschenrechte in Europa und Afrika” wird gefördert durch die Niedersächsische Bingostiftung für Umwelt und Entwicklung und den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)
Menschenrechte: Keine Werte der westlichen Welt
„Die Menschenrechte sind keine Werte der westlichen Welt – ganz im Gegenteil, sie werden von den Regierungen des Westens genauso missachtet wie anderswo.“ Gebrochene Versprechen, Amnesty International Report 2008
Die Menschenrechte sind globale Werte. Menschenrechte werden in vielen Ländern täglich verletzt: sowohl in Europa als auch in Afrika. Welche Menschenrechte gibt es überhaupt und wie sieht die aktuelle Menschenrechtslage im „Norden“ und im „Süden“ der Welt aus?
Die Menschenrechte und die Zusammenhänge und Hintergründe für Menschenrechtsverletzungen sind in der Öffentlichkeit oft wenig bekannt. Die Präambel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (AEMR) von 1948 unterstreicht, dass die Schaffung einer Welt, „in der den Menschen, frei von Furcht und Not, Rede- und Glaubensfreiheit zuteil wird“ „das höchste Bestreben der Menschheit“ ist. Die Freiheit von Furcht steht für die justiziellen Rechte in einem Rechtsstaat, und die Freiheit von Not schließlich umfasst die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte eines Menschen.
Das Projekt „Jugendtheater für Menschenrechte in Europa und Afrika“ führt Jugendliche der Region Hannover über eine entwicklungspolitische Bildungs-, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit an das Thema Menschenrechte in Europa und in Afrika heran. Sind es in Europa vor allem die Verletzungen der bürgerlichen und politischen Menschenrechte, die im Theaterprojekt thematisiert werden, so stehen im südlichen Afrika die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte (WSK-Rechte), mit Bezug zu der bestehenden Jugendkooperation „Youth Action Namibia Germany“ (YANG) der Marie Curie Schule, im Fokus der Theaterarbeit für Menschenrechte.
PROTERRA entwickelt in Kooperation mit den Projektpartnern aus der Region Hannover zwei Theaterstücke, in denen anhand von ausgewählten Länderbeispielen die Menschenrechtsverletzungen in Europa und im südlichen Afrika exemplarisch dargestellt werden.
Die beiden Theaterstücke werden auf Informationsbasis von Amnesty International von den LehrerInnen und SchülerInnen der Marie Curie Schule selbst entworfen, theaterpädagogisch umgesetzt und während verschiedener Veranstaltungen an Menschenrechtstagen der Öffentlichkeit in der Region Hannover präsentiert und zur Diskussion gestellt. Zur inhaltlichen Vorbereitung für die Theaterarbeit werden Jugendworkshops durchgeführt. Während der Workshops werden die LehrerInnen und SchülerInnen des Fachs Darstellendes Spiel und der Namibia-AG sowie andere SchülerInnen, die an entwicklungspolitischen, ethischen und sozialen Themen interessiert sind, an die Themenkomplexe Menschenrechtslage global / Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und UN-Zivilpakt / UN-Sozialpakt und Europäische Sozialcharta / politische Situation und Menschenrechtslage in Europas und Afrika / Armut und Menschenwürde herangeführt.
Warum Belarus als Schwerpunkt für Europa?
Belarus ist das einzige Land in Europa, das noch die Todesstrafe anwendet. Die Anwendung der Todesstrafe in Belarus ist verbunden mit einem nicht funktionierenden Justizsystem. Folter und Misshandlungen werden genutzt, um Geständnisse zu erlangen und verurteilte Häftlinge haben keinen Zugang zu effektiven Berufungsmechnismen. Damit steigt das Risiko, dass unschuldige Menschen hingerichtet werden. Amnesty International beklagt im Belarus-Länderbericht das rigorose Vorgehen der Regierung gegen die Zivilgesellschaft. Die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit wurden missachtet. Oppositionelle, die in friedlicher Weise ihre Ansichten äußerten, erhielten lange Haftstrafen. Andere engagierte Bürger wurden auf Grundlage des Verwaltungsgesetzbuchs für geringfügige Vergehen schikaniert, verfolgt, zu Geldbußen verurteilt oder kurzzeitig inhaftiert. Menschenrechtsorganisationen und Oppositionsgruppen sahen sich mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, wenn sie sich registrieren lassen wollten. Menschenrechtsverteidiger wurden verfolgt, weil sie im Namen nicht registrierter Organisationen handelten (Amnesty International Report 2008).
In dem selbst konzipierten Theaterstück „Menschenrechte in Europa“ werden die Zusammenhänge zwischen einem mangelnden Justizsystem und der konkreten Bedrohung von Leben und Freiheit im autokratischen Belarus aufgedeckt sowie Möglichkeiten und Handlungsspielräume jedes Einzelnen für den Menschenrechtseinsatz gezeigt und diskutiert.
Warum Namibia und Südafrika als Schwerpunkt für Afrika?
Namibia und Südafrika sind auch heute noch durch die koloniale Apartheidspolitik geprägte Staaten mit großen wirtschaftlichen und sozialen Unterschieden. Bis zur Unabhängigkeit waren Namibia und Südafrika durch das Teilungssystem der Apartheid geprägt. Städtebaulich stehen dafür die „schwarzen“ Townships Katutura (Windhoek), Khayelitsha (Kapstadt) und Soveto (Johannesburg). Obwohl die formalen Schranken der Apartheid heute verschwunden sind, gibt es immer noch die verschiedenen Wohnstrukturen, die erst überwunden werden müssen.
Namibia ist das Land mit den größten Einkommensunterschieden auf der Welt. Frauen und Mädchen sind in Namibia und Südafrika in hohem Maße von sexueller Gewalt betroffen. Die HIV/AIDS-Raten gehören im südlichen Afrika zu den höchsten der Welt. Systembedingte Hemmnisse in den Bereichen Vorbeugung, Behandlung und Pflege führen dazu, dass insbesondere HIV-Infizierte in ländlichen Gebieten keinen ausreichenden Zugang zu Medikamenten haben. Frauen haben kaum Möglichkeiten, eine Behandlung konsequent durchzuführen. Die Gründe dafür sind große Entfernungen und hohe Fahrtkosten, Personalknappheit im Gesundheitswesen, mangelnde tägliche Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit (Im Teufelskreis von Gewalt und HIV).
Das Recht auf Bildung, Wohnen, Gesundheit, Wasser und Nahrung wird im südlichen Afrika vielerorts noch verletzt. Angesichts der Destabilisierung der globalen Finanzmärkte nutzen die Reichen ihre Position und ihren Einfluss, um die eigenen Verluste zu minimieren, und die Interessen der bedürftigen Bevölkerungsgruppen drohen, dabei vergessen zu werden. Armut muss nachhaltig bekämpft werden, doch es fehlt am konkreten politischen Handlungswillen (Gebrochene Versprechen, Amnesty International Report 2008).
In dem selbst konzipierten Theaterstück „Menschenrechte in Afrika“ werden deshalb insbesondere die Hintergründe und Zusammenhänge der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte beleuchtet. Der Fokus soll dabei auf die WSK-Rechte Recht auf Bildung, Recht auf Wohnen, Recht auf Gesundheit, Recht auf Wasser und Recht auf Nahrung sowie auf geschlechterspezifische Zukunftsfragen in ländlichen Regionen und in den Townships gelegt werden. Außerdem sollen die Handlungsmöglichkeiten von Zivilgesellschaften / NGOs bei der Durchsetzung von WSK-Rechten für Jugendliche transparent gemacht werden. Denn die Verletzung der WSK-Rechte ist oft unmittelbar mit der Verletzung der bürgerlichen und politischen Menschenrechte verbunden.
| Dateianhang | Größe |
|---|---|
| Programm_Workshop-Belarus.pdf | 439.65 KB |
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