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Reisebericht der Delegationsreise nach Namibia - Teil 2
Netzwerk für die Jugendaktion in Namibia
Teil 2: 23.7.- 30.7.2008
Okakarara – Jugendworkshop mit den Ovahereros am Waterberg
Nach einer erlebnisreichen Woche in Windhoek brachen wir nun endlich auf um das richtige Afrika und seine Bewohner kennen zu lernen. Das „richtige“ Afrika erlebten wir schon kurz nach unserem Aufbruch: nach ca. 50 km riss unser Keilriemen, so hatten wir aber die Gelegenheit uns zwei Stunden am Straßenrand zu sonnen bevor ein Abschleppwagen uns rettete. In „Wuchers Garage“ in Okahandja wurde unser Wagen in dreistündiger Arbeit repariert. In der Zwischenzeit aßen wir Apfelkuchen in der deutschen Bäckerei Dekker.
Mit fünfstündiger Verspätung kamen wir letztendlich im Dunkeln bei der Hamakari Jagd- und Gästefarm an, welche in den kommenden Tagen unser Zuhause sein sollte. Mit deutscher Gastfreundschaft wurden wir von den Dieckmanns begrüßt, woraufhin wir unsere Zelte auf der farmeigenen Campsite aufbauten. Nach getaner Arbeit wurden wir mit einem einmaligen Sternenhimmel belohnt. Doch unsere Freude wurde durch einen nächtlichen Kälteeinbruch getrübt. Die allgemeine Vorfreude auf eine morgendliche warme Dusche war daher sehr groß, jedoch reichte das warme Wasser nur für einen Teil unserer Gruppe, sodass die Spätaufsteher sich des kühlen Nasses erfreuen konnten! Nach einem reichhaltigen Frühstück brachen wir nach Okakarara auf.
Am ersten Tag besuchten wir einen älteren Herren namens Veseevete. Dieser Besuch stellte sich als eine unglaubliche Bereicherung unserer persönlichen und projektbezogenen Entwicklung heraus. Die einfache Lebensweise dieser Persönlichkeit und sein kolonialgeschichtliches Wissen ließen den einige Stunden andauernden Bericht Veseevetes zu einem lehrreichen Erlebnis werden. Obwohl er kein Zeitzeuge war und sein Wissen von seinen Vorfahren übermittelt wurde, sprach er mit einer Stärke und Ausdruckskraft, von welcher sich einige Personen des öffentlichen Lebens eine Scheibe abschneiden könnten. Mit Zitaten wie „25 Arschvoll“ Schläge als Bestrafung für angebliches Fehlverhalten bot er uns als seinen Zuhörern Einblicke in die grausame, gemeinsame Vergangenheit Deutschlands und Namibias. Dieser Mann vermochte es, deutsche und namibische Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen zu erstaunen und in seinen Bann zu ziehen, sodass es, wenn man diese Worte gelesen hat unglaublich erscheint, dass Veseevete in einer einfachen Wellblechhütte haust und uns in einem Stuhlkreis aus kaputten Stühlen und Sofafederungen empfing. Nach diesem Besuch wurde uns klar, dass auch große Persönlichkeiten als einfache Menschen am Existenzminimum leben.
Die finanziellen Probleme in der ländlichen Region wurden nach einem Besuch in der Highschool von Okakarara noch offensichtlicher. Hier fehlt es an den grundlegendsten Dingen, nötige Materialien, Fenster und Klassenräume sind, falls überhaupt existent, in einem miserablen Zustand.
Von der Realität eingeholt bereiteten wir uns am folgenden Tag auf unseren ersten Workshop vor. Hierzu luden wir unsere Partner Uerika Festus Tjikuua und Rupolph Hongoze, Repräsentanten der traditionellen Königshäuser der Herero, sowie eine Gruppe von Jugendlichen aus Okakarara ein. Hauptbestandteil des Workshops waren lebensgeschichtliche Interviews mit den jungen Hereros sowie eine Einführung in unsere CMS-gestützte Homepage (Content-Management-System), welche es Jugendlichen aus Deutschland und Namibia ermöglichen soll eigenständig via Internet über selbst gewählte Themen zu kommunizieren. Alles lief wie geplant ab, sodass wir einen erfolgreichen, aber auch anstrengenden Tag mit einem gemeinsamen Braai (namibisches Barbecue) ausklingen ließen. Zu unserer Freude stellten sich einige Jugendliche wie Casey und Engelbert als potenzielle Projektpartner für unseren Online-Journalismus und weitere Aktionen heraus.
Am kommenden Tag besuchten wir mit unseren Herero-Partnern den Cheetah Conservation Fund (CCF), eine Einrichtung zum Schutz der Geparden in Namibia. Dort werden verwaiste Geparden, welche in der freien Wildbahn nicht überleben würden, aufgezogen. Obwohl mit drei bis viertausend Geparden ca. 20% der Weltpopulation in Namibia leben, werden die Tiere zunehmend von Farmern, welche um ihr Wild fürchten, umgebracht. Um dieser Bedrohung entgegen zu wirken unterhält der CCF ein Informationszentrum und führt Touren durch das Gepardengelände durch. Auf diese Art soll den Besuchern die Schönheit und Bedeutung dieser Tiere verdeutlicht werden. Farmern wird außerdem angeboten einen anatolischen Schäferhund zu erhalten, welcher ihr Vieh vor den Geparden schützt, wodurch die Raubtiere keine Bedrohung mehr für das Vieh darstellen.
Nach diesen arbeitsreichen Tagen gönnten wir uns zwei entspannte Tage am Waterberg, dem Hauptschauplatz des Krieges zwischen Hereros und Deutschen vor über hundert Jahren. Der Waterberg–Nationalpark bietet heute neben einer atemberaubenden Landschaft auch eine vielfältige Flora und Fauna. Beim Wandern in dieser Umgebung entdeckten wir unter anderem Giraffen, Paviane, Klipspringer, Schakale, Springböcke, Impalas, Kudus, Elands, Riesentrappen und Oryxantilopen. Durch Erklimmen des Waterbergplateaus konnten wir einen atemberaubenden Ausblick genießen.
Eine weitere „Attraktion“ stellte das Restaurant des Parks dar. In den Räumen einer alten deutschen Polizeistation grüßten uns bizarrerweise Portraits Kaiser Wilhelms und seiner Gattin Victoria. In dieser Atmosphäre überbrachte das Personal nach einem zackigen Marsch durch die gesamte Restauranthalle ein Geburtstagsgeschenke für Malte Fiedler und sang ein Geburtstaglied.
Nach zwei Tagen der Erholung hatten wir genug Kraft getankt um uns der nächsten Phase des Projekts zu widmen, dem Besuch beim traditionellen Herero - Königshaus Zeraeua und verschiedenen Schulen in Omaruru.
Reisebericht von Laura Sonntag und Malte Fiedler
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