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Afrika


Von Ruethnick - Erstellt am7. April 2008 - 23:43Druckversion

Hintergrundinformationen zu den Projekten

Youth Action Namibia Germany (YANG) - Deutsch-namibische Jugendaktion zur Versöhnung

Proterra Project Cooperation e.V. in Zusammenarbeit mit der Marie Curie Schule KGS Ronnenberg 2008-2011

Die Idee zu der Jugendaktion entstand aus einer bereits seit 2001 bestehenden Schulpartnerschaft zwischen der Marie Curie Schule KGS Ronnenberg und der M&K Gertze High School in Rehoboth/Namibia. Das Projekt geht aber über die bisherigen Schüler-Austausch-Reisen weit hinaus: „Das Gesamtprojekt soll eine deutsch-namibische Jugendaktion aufbauen, die in den Jahren 2008-11 einen Versöhnungsprozess zwischen Deutschland und den Völkern Namibias vorantreibt, die unter der deutschen Kolonialherrschaft zu leiden hatten.“ Die Jugendaktion arbeitet an Bildungsprozessen, die grundsätzlich in ihren Ergebnissen offen sind und von den Jugendlichen selbst gestaltet werden. Die Lernbereiche, die das Projekt umfassen soll, sind: Kulturelle Identität, Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung und Informationsfreiheit, Bildungs- und Arbeitschancen, Geschlechterbeziehung und Gleichberechtigung sowie „One Namibia One Nation“. Für die Zeit von Juni 2008 bis Mai 2009 sind zwei Schwerpunkte der Arbeit geplant:

  1. Eine Jugend-Delegationsreise (8 Schüler/innen und Studierende und eine wissenschaftliche Teamleiterin ) vom 21.7 – 17.8. nach Namibia. Diese Reise ist notwendig, um eine klare Strukturierung des Jugendversöhnungsprojektes abzusprechen, aber auch um die notwendigen Kontakte zu dortigen Gruppen zu vertiefen. Bei der 4-wöchigen Reise werden die Lebensgebiete dreier Völker (Ovaherero, Topnaar-Nama und Baster) besucht: „100 Jahre nach dem Völkermord durch Soldaten der Deutschen Schutztruppe an Ovaherero und Nama sollen von Jugendlichen selbst Interviews zur aktuellen Lebenssituation von Betroffenen bzw. deren Nachkommen durchgeführt werden. Diese persönlichen Lebenswege und Familiengeschichten … sollen in ihrer historischen und regionalen Einbettung dokumentiert“ werden.

  2. Nach der Delegationsreise wird eine interaktive Internetplattform (CMS = Content Management System für Jugend-Online-Journalismus) eingerichtet, auf der die Auswertung und Aufbereitung der Delegationsreise (Text, Ton, Foto und Film) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Internetplattform wird die zentrale Kommunikationsebene des Projektes sein. Dort werden Bildungsmaterialien, Überblick und Links zu kolonialgeschichtlichen Hintergründen und Partner- und Zielgruppenverlinkung zu finden sein. Außerdem werden dort öffentliche Weblogs zum Freien Informationsaustausch, ein interner Workshop-Bereich (mit Login-System) und ein öffentlicher Redaktionsbereich für Jugend-Redakteure installiert.

Text eines Sponsors: Aktion Selbstbesteuerung e.V. Maren Pauselius-Gallon, Rundbrief 01/2008

Jugendtheater für Menschenrechte in Afrika

Kooperation von PROTERRA - Marie Curie Schule KGS Ronnenberg - AMNESTY INTERNATIONAL Hannover im Projekt “Jugendtheater für Menschenrechte in Europa und Afrika

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Das Jugendtheater für Menschenrechte wird 2009-2010 gefördert durch die Niedersächsische Bingostiftung für Umwelt und Entwicklung und den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED)

Menschenrechte: Keine Werte der westlichen Welt

„Die Menschenrechte sind keine Werte der westlichen Welt – ganz im Gegenteil, sie werden von den Regierungen des Westens genauso missachtet wie anderswo.“ Gebrochene Versprechen, Amnesty International Report 2008

Die Menschenrechte sind globale Werte. Menschenrechte werden in vielen Ländern täglich verletzt: sowohl in Europa als auch in Afrika. Welche Menschenrechte gibt es überhaupt und wie sieht die aktuelle Menschenrechtslage im „Norden“ und im „Süden“ der Welt aus?

Die Menschenrechte und die Zusammenhänge und Hintergründe für Menschenrechtsverletzungen sind in der Öffentlichkeit oft wenig bekannt. Die Präambel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (AEMR) von 1948 unterstreicht, dass die Schaffung einer Welt, „in der den Menschen, frei von Furcht und Not, Rede- und Glaubensfreiheit zuteil wird“ „das höchste Bestreben der Menschheit“ ist. Die Freiheit von Furcht steht für die justiziellen Rechte in einem Rechtsstaat, und die Freiheit von Not schließlich umfasst die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte eines Menschen.

Das Projekt „Jugendtheater für Menschenrechte in Europa und Afrika“ führt Jugendliche der Region Hannover über eine entwicklungspolitische Bildungs-, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit an das Thema Menschenrechte in Europa und in Afrika heran. Sind es in Europa vor allem die Verletzungen der bürgerlichen und politischen Menschenrechte, die im Theaterprojekt thematisiert werden, so stehen im südlichen Afrika die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte (WSK-Rechte), mit Bezug zu der bestehenden Jugendkooperation „Youth Action Namibia Germany“ (YANG) der Marie Curie Schule, im Fokus der Theaterarbeit für Menschenrechte.

PROTERRA entwickelt in Kooperation mit den Projektpartnern aus der Region Hannover zwei Theaterstücke, in denen anhand von ausgewählten Länderbeispielen die Menschenrechtsverletzungen in Europa und im südlichen Afrika exemplarisch dargestellt werden.

Die beiden Theaterstücke werden auf Informationsbasis von Amnesty International von den LehrerInnen und SchülerInnen der Marie Curie Schule selbst entworfen, theaterpädagogisch umgesetzt und während verschiedener Veranstaltungen an Menschenrechtstagen der Öffentlichkeit in der Region Hannover präsentiert und zur Diskussion gestellt. Zur inhaltlichen Vorbereitung für die Theaterarbeit werden Jugendworkshops durchgeführt. Während der Workshops werden die LehrerInnen und SchülerInnen der Fächer Darstellendes Spiel, Musik und der Namibia-AG sowie andere SchülerInnen, die an entwicklungspolitischen, ethischen und sozialen Themen interessiert sind, an die fogenden Themenkomplexe herangeführt: Menschenrechtslage global, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR), UN-Zivilpakt, UN-Sozialpakt und Europäische Sozialcharta, politische Situation und Menschenrechtslage in Europas und Afrika, Armut und Menschenwürde.

Warum Namibia und Südafrika als Schwerpunkt für Afrika?

Namibia und Südafrika sind auch heute noch durch die koloniale Apartheidspolitik geprägte Staaten mit großen wirtschaftlichen und sozialen Unterschieden. Bis zur Unabhängigkeit waren Namibia und Südafrika durch das Teilungssystem der Apartheid geprägt. Städtebaulich stehen dafür die „schwarzen“ Townships Katutura (Windhoek), Khayelitsha (Kapstadt) und Soveto (Johannesburg). Obwohl die formalen Schranken der Apartheid heute verschwunden sind, gibt es immer noch die verschiedenen Wohnstrukturen, die erst überwunden werden müssen.

Namibia ist das Land mit den größten Einkommensunterschieden auf der Welt. Frauen und Mädchen sind in Namibia und Südafrika in hohem Maße von sexueller Gewalt betroffen. Die HIV/AIDS-Raten gehören im südlichen Afrika zu den höchsten der Welt. Systembedingte Hemmnisse in den Bereichen Vorbeugung, Behandlung und Pflege führen dazu, dass insbesondere HIV-Infizierte in ländlichen Gebieten keinen ausreichenden Zugang zu Medikamenten haben. Frauen haben kaum Möglichkeiten, eine Behandlung konsequent durchzuführen. Die Gründe dafür sind große Entfernungen und hohe Fahrtkosten, Personalknappheit im Gesundheitswesen, mangelnde tägliche Versorgung mit Nahrungsmitteln sowie die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit (Im Teufelskreis von Gewalt und HIV).

Das Recht auf Bildung, Wohnen, Gesundheit, Wasser und Nahrung wird im südlichen Afrika vielerorts noch verletzt. Angesichts der Destabilisierung der globalen Finanzmärkte nutzen die Reichen ihre Position und ihren Einfluss, um die eigenen Verluste zu minimieren, und die Interessen der bedürftigen Bevölkerungsgruppen drohen, dabei vergessen zu werden. Armut muss nachhaltig bekämpft werden, doch es fehlt am konkreten politischen Handlungswillen (Gebrochene Versprechen, Amnesty International Report 2008).

In dem selbst konzipierten Theaterstück „Menschenrechte in Afrika“ werden deshalb insbesondere die Hintergründe und Zusammenhänge der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte beleuchtet. Der Fokus soll dabei auf die WSK-Rechte Recht auf Bildung, Recht auf Wohnen, Recht auf Gesundheit, Recht auf Wasser und Recht auf Nahrung sowie auf geschlechterspezifische Zukunftsfragen in ländlichen Regionen und in den Townships gelegt werden. Außerdem sollen die Handlungsmöglichkeiten von Zivilgesellschaften / NGOs bei der Durchsetzung von WSK-Rechten für Jugendliche transparent gemacht werden. Denn die Verletzung der WSK-Rechte ist oft unmittelbar mit der Verletzung der bürgerlichen und politischen Menschenrechte verbunden.